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Wissensmanagement im Enterprise 1.0 vs. Enterprise 2.0

Im Rahmen der auf­kom­men­den Web 2.0 Diskussion haben wir uns die Frage gestellt, worin der Unterschied zwi­schen dem Wissensmanagement in Zeiten von Enterprise 1.0 und Enterprise 2.0 besteht. Wie bereits dis­ku­tiert, sehen wir viele der Ansätze im Web 2.0 weni­ger als bahn­bre­chende Neuerungen son­dern viel­mehr als bewährte Muster an, die sich nun­mehr in den rei­fer wer­den­den Unternehmen und Nutzer-Communities durch­set­zen. Und gerade des­hab soll hier eine Betrachtung die­ser Unterschiede erfol­gen. Todd Stephens lie­fert in sei­nem Collaborage Blog eine prä­gnante Darstellung der Charakteristiken von Enterprise 1.0 und Enterprise 2.0.

Enterprise 1.0 Characteristics Enterprise 2.0 Characteristics
Static Content Dynamic Content
Producer Based Information Participatory Based Information
Messages Pushed to Consumer Messages Pulled by Consumer
Institutional Control Individual Enabled
Top Down Implementation Bottom Up Implementation
Users Search and Browse Users Publish and Subscribe
Transactional Based Interactions Relationship Based Interactions
Goal of Mass Adoption Goal of Niche Adoption
Taxonomy Folksonomy

Quelle: Todd Stephens, 2007, Enterprise 1.0 ver­sus 2.0

Diese Charakteristiken möchte ich auf­grei­fen und mit Bezug auf das Wissensmanagement im Unternehmen näher beleuch­ten. In Fortsetzung der 2.0ism könnte dann auch von KM 1.0 und KM 2.0 gespro­chen wer­den.

# 1 – Statische vs. dyna­mi­sche Inhalte

Unabhängig von der ein­ge­setz­ten Technologie war KM 1.0 geprägt von der Publikation gut auf­be­rei­te­ter Inhalte für bestimmte Zielgruppen, z.B. als Handbuch, Whitepaper oder Best Practice Beschreibung. Diese unter­la­gen einer gerin­gern Änderungshäufigkeit und stell­ten oft das Ende der Navigationskette dar. Diese Wissensobjekte gibt es natür­lich ebenso im KM 2.0. Sie stel­len aber eher einen dyna­mi­schen Netzknoten dar, der ein bestimm­tes Thema defi­niert. Der Inhalt wird vom Autor oder durch Leser über Ergänzungen, Verlinkung und Nutzerinteraktion wei­ter ange­rei­chert über Kommentare, Bewertungen, Hinweise, Linklisten, Trackbacks oder Tags mit Navigationsfunktionalität.

# 2 – Herstellerbezogene vs. Teilnehmerbezogene Information

Während im Zeitalter 1.0 viele Inhalte vor allem als offi­zi­elle Beschreibung oder Dokumentation durch Hersteller oder Anbieter von Produkten und Konzepten quasi als pri­märe Quellen ent­stan­den wird das Zeitalter 2.o nach mei­ner Beobachtung geprägt von anwendungs- und erfahrungs-orientierten Beiträgen die ggf. in Verbindung mit den pri­mä­ren Quellen ste­hen. Erst dadurch ent­steht die Masse der dyna­mi­schen Inhalte (siehe #1), was aber durch­aus zum "Information Overload Phänomen" bei­trägt. #

3 – Bringschuld vs. Holschuld oder Push vs. Pull

Ein wesent­li­cher Services im Wissensmanagement der ers­ten Generation war die aktive Informationsversorgung der Konsumenten mit neuen Inhalten auf Basis vor­de­fi­nier­ter Interessens- oder Aufgabenprofile, z.B. über E‑Mail-Benachrichtigung, Newsletter u.a.m. Besonders her­vor­zu­he­ben ist hier z.B. das Produkt Grapevine, das schon früh­zei­tig über col­la­bo­ra­tive Filtering die Nutzer ein­be­zo­gen hat.

# 4 – Zentrale Steuerung vs. Befähigung des Einzelnen

Unternehmen legen beim Umgang mit Wissen Wert auf Qualität – zurecht. In der Vergangenheit hat dies dazu geführt, dass oft­mals zen­tral gesteu­ert wurde, wel­che Inhalte in wel­cher Form an wel­chen Nutzerkreis wei­ter­ge­ge­ben wur­den. Fehler soll­ten von vorn­her­ein ver­mie­den wer­den. Aufwändige Redaktions- und Freigabeprozesse waren der Ausdruck die­ses Drangs. Veraltete Wissensmanagementsysteme mit weni­gen unat­trak­ti­ven Inhalten die Folge. Wissensmanagement 2.0 setzt dage­gen auf die Befähigung des ein­zel­nen Nutzers, selbst erstellte Inhalte mög­lichst ein­fach und ohne Freigabe direkt publi­zie­ren zu kön­nen. Der Umgang mit Ungenauigkeiten und Fehlern wird der Community der Konsumenten ebenso über­las­sen wie die Bewertung von Qualität und Nutzen eines Beitrags.

# 5 – Top-Down vs. Bottom-Up Einführung

Folgerichtig erfolgt die Einführung zual­ler­erst an der Basis und zwar dort, wo der Bedarf am größ­ten ist. Die fir­men­weite Ausbreitung wird nicht gene­ral­stabs­mä­ßig gegen Widerstände durch­ge­zo­gen, son­dern die Verbreitung erfolgt eher durch "Mund-zu-Mund"-Propaganda über über­zeu­gende Vorteile.

# 6 – Recherche & Suche vs. Publizieren & Abbonnieren

Wenn Leser auf der Suche nach bestimm­tem Wissen auf die meist sta­ti­schen Publikationen von weni­gen Informationsanbietern ange­wie­sen sind, dann bleibt nur müh­sa­mes Durchforsten von Verzeichnissen und Suchergebnisseiten. Das Web 2.0 berei­chert den Informationsraum um per­sön­li­che Beziehungen und die wert­vol­len struk­tu­rie­ren­den und bewer­ten­den Zusatzinformationen geneig­ter Leser. Wo bis dato nur die reine Textsuche blieb besteht heute oft die Möglichkeit, z.B. über die Quellensammlungen (z.B. del.icio.us) und Schlagworte ande­rer, bereits vor­struk­tu­rierte und bewer­tete Informationen zu nut­zen. Autoren kön­nen direkt kon­tak­tiert, neue Inhalte über RSS-Feeds abbo­niert und eigene Fragen und Kommentare direkt publi­ziert wer­den. Die Recherche beruht nicht mehr rein auf Text-Matching son­dern auch auf der Intelligenz vie­ler ande­rer Konsumenten.

# 7 – Formale Prozesse vs. infor­melle Beziehungen

Im Zeitalter 2.0 ste­hen anstelle von Regeln und Prozessen also die Mitarbeiter als Individuen im Mittelpunkt. Kommunikationsprozesse wer­den geprägt durch den infor­mel­len Austausch im Rahmen loser Netzwerke, die sich über bis­he­rige starre Grenzen hin­weg knüp­fen las­sen.

# 8 – Taxonomy vs. Folksonomy

Die Vorgabe von Inhaltsstrukturen, Navigationspfaden und Begriffssystemen (Taxonomien) fand zumeist unter zen­tra­ler Kontrolle statt, umQualität und Redundanzfreiheit zu sichern. Aufgrund des gro­ßen Abstimmaufwandes lei­den Taxonomien oft an Veralterung, da die Pflege mit dem Tempo der Veränderung der Fachwelt nicht Schritt hal­ten kann. Auch wenn Taxonomien nicht aus­ge­dient haben, so wer­den im Wissensmanagement 2.0 zuneh­mend Begriffssysteme ein­ge­setzt, die unter oft unko­or­di­nier­ter Mitwirkung vie­ler Akteure ent­ste­hen, sog. Folksonomies. Durch die kon­ti­nu­ier­li­che Verschlagwortung von Inhalten mit aktu­el­len Begriffen (Schlagworte, Tags) bleibt die Folksonomy aktu­el­ler und anwend­ba­rer als eine starre Taxonomie.

# 9 – Unternehmensfokus vs. Nischenstrategie

Das große Ziel der unter­neh­mens­wei­ten Nutzung rele­van­ten Wissens wurde unter größ­tem Aufwand ver­folgt und auf­grund viel­fach dis­ku­tier­ter Barrieren zumeist nicht erreicht. Im gegen­satz zu den kon­zern­wei­ten Knowledge Management Programmen mit Millionenbudget waren es die klei­nen "U‑Boot"-Projekte unter ande­rem Namen, die kon­kre­ten Geschäftsnutzen gene­riert und Enthusiasten her­vor­ge­bracht haben. Von ihnen kön­nen wir vie­les ler­nen – u.a. die Beschränkung auf ein über­schau­ba­res Umfeld mit einem kon­kre­ten ernst­zu­neh­men­den Bedarf (die Nische!) und die Pflege viel­fäl­ti­ger Netzwerkbeziehungen zum Erfahrungsaustausch. Auf die­sem Weg kann auch eine unter­neh­mens­weite Umsetzung gelin­gen.

Langsam, aber immer­hin.

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Tolle Ansätze die hier ins Feld geführt wer­den. Wissensmangement neu als *alle ent­wi­ckeln mit* zu bezeich­nen, trifft genau meine Vorstellung des "Empowerments" und dem Leadership Gedanken. Mich würde nur noch inter­es­sie­ren, wie wir unsere Kids und die Lehrer für die neuen Web 2.0 Tools gewin­nen kön­nen – Ich bin Lehrer und würde mich rie­sig über gute Ideen freuen! – Kannst du mir einige gute Vorschläge brin­gen…? Auf unse­rer Website unter der Rubrik Schule sind die Kids fleis­sig am Bloggen… – Der Anfang ist gemacht, doch müsste das Ganze jetzt noch wei­ter­ent­wi­ckelt werden.…Gruss Toni

Avatar Dirk Röhrborn

Der Appetit kommt bekannt­lich beim Essen. Wir soll­ten also die nütz­li­chen der Web 2.0 Tools (Blogs, Slideshare, Wiki etc.) in die eige­nen Aktivitäten ein­brin­gen und unse­ren Kollegen zei­gen, wie ein­fach es ist, diese anzu­wen­den und wie schnell ein eige­ner Nutzen geschaf­fen wird. Im zwei­ten Schritt, dann die Kollegen direkt mit ein­bin­den, um das eigene Erfolgserlebnis zu ermög­li­chen und damit den Virus wei­ter­zu­ge­ben.

[…] Wissensmanagement im Enterprise 1.0 vs. Enterprise 2.0 […]

Einen schö­nen Gruß aus München. Für eine Präsentation zum Thema Enterprise 2.0 sich­tete ich ges­tern alle gesam­mel­ten Lesezeichen und blieb an die­sem Artikel hän­gen – der damit offen­sicht­lich für mich über den Tag hin­aus sei­nen Wert gezeigt hat. Schöne Zusammenstellung, die natür­lich als Quelle genannt wird!
Wenn ich schon dabei bin: Überschneiden sich die Punkte 6 und 8 nicht? Mir fällt es schwer da einen Unterschied zu fin­den – beide male geht es um die Art und Weise wie Informationen gefun­den wer­den. Einmal in struk­tu­rier­ten Verzeichnissen, das andere Mal (ergän­zend) durch indi­vi­du­elle nach­fra­ge­ori­en­tierte Sammlungen.
6) Überschneidet sich aus mei­ner Sicht außer­dem noch mit 3), denn gerade beim "Publizieren & Abonnieren" geht es wie­der um die Holschuld bzw. das Pull-Prinzip. Was meinst du dazu?

Avatar Dirk Röhrborn

Du hast Recht, es gibt da tat­säch­lich Überschneidungen. Der Beitrag sollte die Unterschiede zwi­schen 2.0 und 1.0 auf­ar­bei­ten. Bei 6. geht es darum, wie ich als Leser zu den rich­ti­gen Informationen finde. Bei 8. geht es darum, wie die Ordnungsbegriffe ent­ste­hen, die dem spä­te­ren Konsumenten einer Information die Suche erleich­tern. Zu 3. kann ich Dir natür­lich nur zustim­men. Beste Grüße von der Elbe an die Isar.

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