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Die Killer-Anwendungsfälle des Social Business #2: Social Networking

Nachdem ich zuletzt im Artikel Die Killer-Anwendungsfälle des Social Business #1: Social Business ist über­all bereits die typi­schen Kategorien für Anwendungsfälle des Social Business zusam­men­ge­tra­ge­nen habe, wid­met sich die­ser Beitrag nun der ers­ten Gruppe: Use Cases des Social Networking.

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Wie der Name schon ver­mu­ten lässt, beinhal­tet die Kategorie Social Networking Anwendungsfälle, in denen ins­be­son­dere die Vernetzung von Mitarbeitern in und zwi­schen Teams durch den Einsatz von Social Software ver­bes­sert wird. Das Spektrum mög­li­cher Use Cases erstreckt sich dabei von der Verbindung ein­zel­ner Erfahrungsträger im Unternehmen bis hin zur Darstellung gan­zer Bereiche und Teams und dem Bilden von Communities im Unternehmen.

Eine Entwicklung zeich­net sich dabei deut­lich ab: Die zuneh­mende Reife von Social Business wird mehr und mehr dazu füh­ren, dass zukünf­tig Menschen zu jeder Zeit und über­all in Verbindung ste­hen wer­den. Quan-Haase und Wellman bezeich­nen die­ses Phänomen als Hyperconnectivity. Doch bevor eine solch all­um­fas­sende Verbundenheit Realität wird, sind im Hinblick auf bestimmte Anwendungsfälle bereits ein­zelne Facetten abdeck­bar und damit Vorstufen der Hyperconnectivity erreich­bar. Um die Betrachtung der Use Cases sinn­voll ein­zu­gren­zen, beschränkt sich die­ser Beitrag auf die von uns als Killer-Anwendungsfälle klas­si­fi­zier­ten Cases. Unsere Einschätzung beruht dabei auf einer mit­un­ter per­sön­li­chen Wahrnehmung der Fälle in der Praxis und der Häufigkeit, wie wir mit die­sen in Projekten zu tun haben.

Die Killer-Anwendungsfälle des Social Networking

Experten identifizierenEiner der wich­tigs­ten Anwendungsfälle in die­sem Feld betrifft das Identifizieren von Experten inner- und außer­halb des Unternehmens. Dies kann durch tech­ni­sche aber auch nicht-technische Ansätze unter­stützt wer­den. Der beson­dere Nutzen des Einsatzes von Social Software ergibt sich dabei, wenn Wissensträger inner­halb des Unternehmens effi­zi­en­ter genutzt wer­den kön­nen, andere die Möglichkeit erhal­ten, stets die rich­ti­gen Leute zu fin­den und dafür auch noch weni­ger Zeit benö­ti­gen. Im Umkehrschluss sinkt die Gefahr, dass Aufgaben durch die fal­schen Leute bear­bei­tet wer­den oder lie­gen blei­ben, weil sie kei­ner geeig­ne­ten Person zuge­ord­net wer­den konn­ten.

Ein wei­te­rer Anwendungsfall stellt für uns die Als MA sichtbar werdenEinführung/Nutzung vir­tu­el­ler "Visitenkarten" für Teammitglieder oder Mitarbeiter all­ge­mein dar. Über die tech­ni­sche Abbildung rele­van­ter per­so­nen­be­zo­ge­ner Informationen und die Bereitstellung die­ser für andere (in Atlassian Confluence bspw. mit Hilfe des User Profile Plugins) ver­bes­sert sich nicht nur die Darstellung des Einzelnen nach außen, son­dern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass die­ser als der Experte für ein Thema wahr­ge­nom­men wird, in dem er sich auch tat­säch­lich als Experte sieht. Zusätzlich stei­gert die per­sön­li­che Pflege einer sol­chen Visitenkarte die Aktualität und Qualität der Angaben, wovon wie­derum Außenstehende pro­fi­tie­ren, wenn sie einen bestimm­ten Experten suchen oder einen neuen Mitarbeiter the­ma­tisch ein­ord­nen wol­len. Aus Kostensicht ver­rin­gert sich der Pflegeaufwand, der zuvor bei einer zen­tra­len Stelle (i.d.R. HR) lag, wenn Profile von den Mitarbeitern selbst gepflegt wer­den. Hier zeigt sich für die Personalentwicklung außer­dem, wo Lücken in der Qualifikation der Mitarbeiter zu fin­den sind und wel­che außer­be­ruf­li­chen Stärken ein Mitarbeiter mit­bringt, die für das Unternehmen von Nutzen sein könn­ten.

Auf dem Laufenden bleibenEin drit­ter Anwendungsfall, der sich ins­be­son­dere durch die Nutzung von Activity Streams und Tags ergibt, ist das soge­nannte Folgen (Following). Über das Abonnieren von Schlagwörtern, per­so­nen­be­zo­ge­nen Inhalten oder Gruppeninhalten ist es mög­lich, Push-Updates zu erhal­ten und so auf­wands­arm auf dem Laufenden zu blei­ben. Die Alternative wäre, sich manu­ell in Gruppenräumen oder auf per­sön­li­chen Seiten umzu­se­hen und dort neue Beiträge oder geteilte Inhalte abzu­ru­fen. Durch das Folgen bleibt dem Nutzer die­ser Aufwand jedoch erspart. Bestenfalls erspart er sich zudem noch den Wechsel zwi­schen Systemen und wird trotz­dem über die Aktivitäten in ande­ren Bereichen infor­miert. Er hat dadurch mehr Zeit für andere Dinge und ent­geht einem Teil des Information Overload, wenn sein Medienkonsum sich auf indi­vi­du­ell defi­nierte Ausschnitte beschränkt. Zusätzlich stei­gert das gezielte Folgen die Aufmerksamkeit bezüg­lich wich­ti­ger Inhalte, die so sel­te­ner ver­lo­ren gehen.

Wie bereits ange­deu­tet, exis­tiert neben den beschrie­be­nen Use Cases noch eine Fülle wei­te­rer Anwendungsfälle für Social Business, die die Attraktivität und den Nutzen des Einsatzes von Social Software im Unternehmen unter­mau­ern. Die genann­ten Beispiele sind dabei nur die Spitze des Eisberges von Use Cases, die zur Umsetzung im Unternehmen in Frage kom­men. Zudem sind die Schnittmengen zwi­schen eini­gen die­ser Fälle inner­halb aber auch zwi­schen den Anwendungsfeldern groß genug, um Synergien ent­ste­hen zu las­sen. Derartige Effekte soll­ten bei der Auswahl nicht ver­nach­läs­sigt wer­den. Idealerweise sind Anwendungsfälle nicht nur mit­ein­an­der ver­knüpft, son­dern bauen auf­ein­an­der auf oder wer­den nach Realisierung eines vor­he­ri­gen Use Cases im Gesamtprojekt modu­lar "zuge­schal­tet".

Was folgt? Teil 3 mit den Killer-Anwendungsfällen der Social Collaboration.

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Ich nehme jetzt mal die Rolle eines "devil's advo­cate" ein:

1. Experten iden­ti­fi­zie­ren: Das möchte ich als Führungskraft über­haupt nicht haben. Meine Experten sol­len für mich arbei­ten, wo kämen wir denn da hin wenn jetzt das ganze Unternehmen auf meine Leute zugreift. Da bekomme ich dann meine Aufgaben gar nicht mehr erle­digt. Ich habe ganz klar die Personal- und Kostenverantwortung und ich muss für die Leistung mei­ner Mitarbeiter gerade ste­hen. Und des­we­gen arbei­ten die für mich und für sonst nie­man­den. Am bes­ten die rich­ten gar kein Profil ein, dann wer­den sie nicht als Wissensträger sicht­bar.

2. Auf dem Laufenden blei­ben: Wie jetzt, noch mehr Informationen als bis­lang schon? Wenn jetzt noch mehr Informationen auf uns zukom­men und jeder sich wie es ihm gerade passt zu einem Thema äus­sert, dann ist der "Informationoverload" per­fekt. Wer stellt dann fest was Fakten und was nur Meinungen sind? Wie kann man in die­sem Dschungel an Informationen noch fest­stel­len was "wich­tig" und vor allem was "rich­tig" ist.

3. Als Mitarbeiter sicht­bar wer­den: Nein, die Mitarbeiter sol­len sich nicht prä­sen­tie­ren, die sol­len gefäl­ligst effi­zi­ent arbei­ten. Wir sind ein Unternehmen, das Ergebnisse brin­gen muss. Was uns soll da ein "Catwalk" für Mitarbeiter brin­gen? Das kos­tet nur unnö­tig Zeit, die bes­ser für pro­duk­ti­ves Arbeiten ein­ge­setzt wer­den kann.

Jetzt bin ich mal gespannt!

Ich frage mich, wer da kom­men­tiert hat. "The devil’s advo­cate" or "the devil hims­elf"?.
Da baut jemand Mauern um sei­nen Bereich. "Wissen ist Macht!", "Kopfmonopole sichern mei­nen Arbeitsplatz!". Alles bekannt und auch häu­fig gehört. An sol­chen "devils's advo­ca­tes" schei­tern Projekte immer wie­der.
Am bes­ten aber gleich­zei­tig "unter­neh­me­ri­sches Denken" von sei­nen Mitarbeitern for­dern.

1. "Meine Experten"… Ich denke, Leibeigenschaft wurde in Deutschland schon von vie­len Jahren abge­schafft. Sie dür­fen Experten füh­ren, aber die sol­len das Unternehmen voran brin­gen. Das ganze Unternehmen und nicht nur Ihre Abteilung.
Jeder, der sich als "Wissensarbeiter" bezeich­net, hat durch Ausbildung und Studium bewie­sen, dass er ganz gut in der Lage ist, seine Aufgaben sinn­voll zu orga­ni­sie­ren. Und das meist bes­ser als eine Führungskraft. Wenn es nicht klappt, haben Sie ja not­falls auch immer noch alle Mittel der Personalführung.
Glückwunsch übri­gens, wenn Sie Ihre Abteilungsbudgets im Griff haben. Das hilft sehr, wenn der Rest der Firma durch ewi­ges kos­ten­spie­li­ges Neuerfinden von Lösungen das Geld nur so aus dem Fenster wirft. Auch wenn die Firma den Bach run­ter geht, wird man Ihnen sicher ein Denkmal set­zen.
OK, keine Profile für Ihre Mitarbeiter. Mal schauen, wie schnell man Ihren Elfenbeinturm ver­ges­sen hat.

2. "Mehr Information"… Nein, die Information erreicht einen eh. Aber meist immer dann und dort, wo man sie gerade gar nicht ver­ar­bei­ten kann. Schnelle Ablage in einen Ordner => Aus dem Auge aus dem Sinn.
"Wer ent­schei­det, was Fakten und was Meinungen sind?"… Wir alle. Und zum "wir" gehö­ren dann auch alle, die bis­her der Ansicht waren, dass dadurch, dass sie die Meinung hat­ten oder ver­brei­tet haben, es ein Fakt wird. Die Intelligenz der Masse sorgt auch heute bereits dafür, dass "Dummschwätzer" schnell ent­larvt und dis­zi­pli­niert wer­den.

3. "Catwalk für Mitarbeiter"… Es geht um keine Modenschau, bei der man mal für ein paar Minuten in einen Kleid, was man nicht selbst ent­wor­fen oder gefer­tigt hat, auf­mar­schiert. Die gefor­der­ten Ergebnisse der pro­duk­ti­ven Zeit erge­ben die Mitarbeiterpräsentation von allein.

Inzwischen gibt es genug Unternehmen, die bewie­sen haben, dass ihnen "Social Networking" Effizienzsteigerungen von 25% und mehr gebracht haben. Und ich bin froh, FÜR (nicht nur in) einem Unternehmen zu arbei­ten, dass den Teufel, der immer alles ver­neint, aus­ge­trie­ben hat, ich schnell einen Experten finde, der mir bei einem Problem hilft und ich mit mei­ner Präsentation ande­ren Kollegen hel­fen kann (auch wenn ich mal nicht im Büro sitze).

Bleiben Sie gespannt und schauen Sie zu, wie andere an Ihnen vor­bei zie­hen.
P.S.: The devil's advo­cate steht Ihnen nicht, Herr Niemeier. Nicht bei Ihrer eige­nen Homepage 😉

Hallo Herr Niemeier,

vie­len Dank für Ihren ange­nehm über­spitz­ten Kommentar. Ich denke, Herr Liebers hat in eini­gen Punkten bereits Futter für die Diskussion gelie­fert, die wir im Grunde auch bei den meis­ten Kunden füh­ren.

Zu 1. Auf diese nega­tive Sicht stößt man zwangs­läu­fig, wenn man sich mit dem Wandel, der durch Social Business vor­an­ge­trie­ben wird, aus­ein­an­der­setzt. Was ist nun bei­spiels­weise, wenn ich als Führungskraft jeman­den suche, des­sen Expertise aktu­ell noch nicht durch "meine" Leute abge­deckt wird? Was ist, wenn sich dann all jene Experten genau so rar machen, wie ich das vor­lebe (Sichtwort von Herrn Liebers: Elfenbeiturm)? Was ist, wenn die Fragen, die ich dem Experten gerne stel­len möchte, nun nicht beant­wor­tet wer­den kön­nen? Sollten die ver­füg­ba­ren Ressourcen und damit auch die vor­han­de­nen Erfahrungen und das Wissen der Mitarbeiter für alle glei­cher­ma­ßen zugäng­lich sein? Hier stimme ich Herrn Liebers zu, wenn er das Unternehmen in die­sem Punkt vor die eigene Abteilung oder per­sön­li­che Interessen des Einzelnen stellt.
Der Input von außen kann gleich­zei­tig auch eine gewisse posi­tive Zerstreuung erzeu­gen, die fest­ge­fah­rene Muster auf­bricht und erneu­ert. Man kennt das u.a. von neuen Mitarbeitern, die auf­grund der Tatsache, dass sie mit dem Unternehmen noch nicht bis ins Detail ver­traut sind, gern mal das Gegebene und des­sen Sinnhaftigkeit hin­ter­fra­gen. Ich befinde mich gerade selbst in einer ähn­li­chen Situation.

Zu 2. Klar, erhalte theo­re­tisch mehr Informationen, wenn die Anzahl der Kommunikationskanäle und ‑medien zunimmt. Mit aus­ge­feil­te­ren Systemen erhalte ich aber auch mehr Macht dar­über, wie und wann ich diese Informationen erhalte. Ob durch Filter oder Präferenzangaben – ich denke, da gibt es inzwi­schen ver­schie­denste Mittel und Wege, um den Information Overload ein­zu­däm­men. Ich sehe des­halb eher ein enor­mes Potenzial zum Einsparen von Zeit. Der Mensch kann viel­leicht am Ende des Tages nicht mehr Informationen auf­neh­men als sonst – unsere Gehirne wach­sen ja lei­der seit eini­gen 10.000 Jahren nicht mehr. Wenn die Informationen jedoch geziel­ter auf meine Präferenzen abge­stimmt sind, bes­ser por­tio­niert und ggf. durch Meta-Informationen schnel­ler in den rich­ti­gen Kontext gesetzt wer­den kön­nen, kann ich mich viel bes­ser auf das Wesentliche kon­zen­trie­ren. Es müs­sen eben nur Mittel und Wege gefun­den wer­den, um das Rauschen (was ist irrele­vant für mich, was ist rele­vant) zu ver­rin­gern und natür­lich auch um leich­ter erken­nen zu kön­nen, was rich­tig ist und was falsch. Was bei der Qualitätskontrolle von Wikipedia-Artikeln schon vor­bild­lich funk­tio­niert, sollte mei­nes Erachtens auch im Unternehmen mög­lich sein. Hier kann die Crowd ebenso als Qualitätsmanager fun­gie­ren.

Zu 3. Einen Zusatzaufwand sollte das Sichtbarwerden natür­lich nicht erzeu­gen. Hier geht es eher darum, schon allein durch die täg­li­che Arbeit sicht­bar zu wer­den. Ich würde mir wün­schen, dass ich als Experte für die Themen, die mir am Herzen lie­gen, erkenn­bar wäre, ohne, dass ich mir dafür einen Aufkleber auf die Stirn kle­ben müsste. Die Spuren, die man im Unternehmen hin­ter­lässt, lie­fern eigent­lich schon genug Material, um ein kom­ple­xes Profil (oder E‑Portfolio) ent­ste­hen zu las­sen. Spannend wird es dann, wenn auf Basis sol­cher Portfolios anti­zi­piert wer­den kann, wel­che Wissenslücke ich denn als nächs­tes schlie­ßen möchte. Globaler gese­hen könnte das einen Einblick in Wissenslücken im Unternehmen ermög­li­chen. Wo sind Kompetenzen, die es noch aus­zu­bauen gilt? Welche Themen lie­gen brach?
Zusätzlich könnte ich mir vor­stel­len, dass eine Personalisierung der Informationen auf Basis sol­cher Profile eine Abstufung der Komplexität prä­sen­tier­ter Inhalte dem Vorwissen des Konsumenten ent­spre­chend ange­passt wür­den. Da wären wir dann schnell wie­der bei Punkt 2.

Alles in allem finde ich es aber hilf­reich, bei dem Thema Social Networking gele­gent­lich mal auf die Bremse zu tre­ten. Denn nicht alles, was mög­lich ist, bringt uns auch einen Vorteil. Von daher vie­len Dank noch ein­mal für das Schlüpfen in die Rolle des Advocatus Diaboli, Herr Niemeier!
Wie Herr Liebers möchte ich aber am Ende ebenso nicht mis­sen, was uns diese Facette des Social Business bis­her gebracht hat. Von daher hoffe ich, dass wir Zweiflern auch in Zukunft mit guten Argumenten begeg­nen kön­nen. 🙂

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