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Neuerungen in SQL Server 2008 R2

Wie unter meinem letzten Beitrag angekündigt, wurde am 25.01.2010 das PASS Treffen zu SQL Server 2008 R2 mit Georg Urban als Vortragendem nachgeholt. Wer nun (wie ich) bis dahin dachte, die Neuerungen in Release 2 würden sich schwerpunktmäßig auf Business Intelligence konzentrieren, wurde erst einmal eines Besseren belehrt. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Schwerpunkte des SQL Server 2008 Release 2 sind Self-Service-BI, Multiserver-Management und Technologien für die Verarbeitung sehr großer Datenmengen.

Georg bot uns an diesem Abend mit einem aus mehreren Präsentationen konsolidierten Vortrag die Quintessenz der Neuerungen in SQL Server 2008 R2 dar.

Den Einstieg bildet ein Überblick über die neue BI Plattform aus dem Hause Microsoft, bestehend aus Office 2010, SharePoint 2010 und eben SQL Server 2008 R2 (Codename „Kilimanjaro“). Während Office 2010 mit AdHoc-Analyse und -Reporting oder Data Mining die Client-Features für Self Service BI mitbringt, bietet SQL Server 2008 R2 (zusammen mit zentralisiertem Server und Application Management sowie Master Data Management) mit Power Pivot („Gemini“) und Parallel Datawarehouse („Madison“) die Server-Software dafür an und SharePoint 2010 (z.B. mit Performance Point Services, den verbesserten Excel Services etc.) das Enterprise 2.0 Portal, in dem dies alles dem Nutzer präsentiert wird. Außerdem gibt es (wen wundert’s) mal wieder Änderungen in den Editionen. Für SharePoint-Interessierte: Für die Nutzung von Power Pivot für SharePoint 2010 wird die wird nicht nur die SharePoint Server Enterprise Edition erforderlich sein (das verwundert nicht besonders – sind doch auch mit MOSS 2007 die meisten Business Intelligence Features nur in der Enterprise Edition zu haben…), sondern auch die Enterprise Edition des SQL Servers. Happy licensing!

Nun wird es konkret: das neue, zentralisierte Server und Application Management ist für Firmen mit mehreren SQL Servern interessant, da es deren Verwaltung vereinfachen soll. Probates Mittel zum Zweck ist ein zentraler Verwaltungsserver, auf dem Anwendungspakete und Skripts auf mehreren Servern gleichzeitig ausgeführt werden können. Mittels Richtlinien kann der gewünschte Auslastungsgrad der Server ebenfalls zentralisiert festgelegt werden. Auch solche Richtlinien wie „Daten und Log müssen auf getrennten Festplatten liegen“ lassen sich etablieren. In Dashboards lassen sich Auslastung und Richtlinienverstöße anzeigen, allerdings – und das scheint mir ein Gap zu sein – kann die Anwendung der Richtlinien nicht für alle Regeln erzwungen werden.

Als nächstes kommt das Thema Business Intelligence an die Reihe:

Das Self-Service-Datenanalyse-Tool Power Pivot ist die vielleicht spannendste Neuerung in Release 2. Mit seiner Hilfe soll es auch nicht Datenbank-affinen Anwendern ermöglicht werden, große Datenmengen zu analysieren und Berichte zu erstellen. Das Kernstück von Power Pivot ist eine SQL Server Analysis Services Komponente, welche zusätzliche Module für Excel 2010 und SharePoint 2010 anbietet. Für komplexere (nicht „zusammenklickbare“) Analysen soll die Data Analysis Expression Language (DAX) zum Einsatz kommen, und wer sich hierbei an MDX erinnert fühlt, hat hinsichtlich der Funktionalität beider Sprachen nicht ganz Unrecht – allerdings soll DAX an die Formelsyntax von Excel angelehnt und damit auch für den typischen Excel-Nutzer bedienbar sein. So kann mittels DAX z.B. ein neues Measure „clientseitig“ in Excel hinzugefügt werden, wenn es denn auf dem Server nicht vorhanden ist, aber für eine spezielle Auswertung benötigt wird.

Interessanteste Neuerung bei den Reporting Services dürfte der Report Builder 3.0 sein, besonders publikumswirksam ist die Darstellung von Daten des SQL Server Datentyps Geometry bzw. Geography in Form von Landkarten. Aber auch neue Ajax Report Viewer für die Einbettung in ASP.Net-Anwendungen ist eine Erwähnung wert: Damit können nun z.B. Drill-Down-Abfragen durchgeführt werden, ohne dass die komplette Seite neu geladen werden muss.

Mit Stream Insight bringt Georg auch ein Entwicklerthema auf’s Tapet: Dabei handelt es sich um eine Complex-Event-Processing-Technologie (CEP), mit der sich kontinuierliche Datenströme (wie sie z.B. bei der Verarbeitung von Prozessdaten anfallen) mittels sogenannter „standing queries“ innerhalb einer garantierten Antwortzeit (durch Vorgabe eines Rasters) verarbeiten lassen. Genau genommen handelt es sich bei Stream Insight mehr um ein Entwicklungsframework als um eine SQL Server Komponente, das Gros der Arbeit besteht im Schreiben von Code, wofür zumindest bisher auch keine Unterstützung durch Assistenten oder Designer in Sicht ist.

Last not least gibt es noch einen Ausblick auf das neue Master Data Management: Mit Hilfe der Master Data Services soll es möglich sein, Daten, die gleichzeitig in unterschiedlichen Anwendungen zum Einsatz kommen, an zentraler Stelle zu pflegen. Ein vielen bestimmt so oder ähnlich bekannt vorkommendes Anwendungsszenario ist das folgende: Der für verschiedene Anwendungen in einer Bank verwendete Austausch-Datensatz ist seit 15 Jahren 400 Byte groß und muss nun erweitert werden, da diese Länge nicht mehr ausreicht. Natürlich weiß keiner, welche Anwendungen davon betroffen sind. Für die Lösung dieses „Messi-Problemes“ wird es den sogenannten Master Data Hub geben, der als zentrales Repository für die Masterdaten fungiert. Allerdings sollte jedem bewusst sein, dass das reine Vorhandensein eines solchen Repositories noch kein einziges Problem löst – die Master Data Services bringen nur dann einen Gewinn, wenn sie von den entsprechenden Anwendungen (siehe obiges Szenario) auch genutzt werden. Lt. Georg ist diese Komponente jedoch im derzeitigen Beta-Stadium noch sehr rudimentär und es lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch noch nicht sagen, wie performant und skalierbar das neue Angebot am Ende sein wird.

Fazit: Auf das Release 2 von SQL Server 2008, welches lt. aktueller Meldungen im Mai 2010 final verfügbar sein wird, darf gespannt gewartet werden. Vielen Dank an Georg Urban für die interessante Präsentation!

1 Kommentar

Blogpost zu Neuerungen in SQL Server 2008 R2: http://tinyurl.com/yg7br83
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