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Weblogs als Brücke zwischen persönlichem und unternehmensweitem Wissensmanagement.

Bei der Einführung von Wissensmanagement in Unternehmen wur­den in der letz­ten Jahren vor allem kul­tu­relle Aspekte, Geschäftsprozesse und umfas­sende, meist zen­tra­li­sierte, IT-Lösungen für den Aufbau unternehmens- oder zumin­dest fach­be­reichs­wei­ter Wissensdatenbanken in den Mittelpunkt der Aktivitäten gestellt. Der ein­zelne Mitarbeiter wurde vor allem als Quelle von Wissen betrach­tet, wel­ches er zur Wissensbasis bei­tra­gen sollte, wobei oft­mals ein stren­ger Qualitätssicherungsprozess vor dem Veröffentlichen eines Eintrags in der Wissensbasis stand. Als Gegenwert stand das Angebot, die Wissensbasis auch für die eige­nen Zwecke nut­zen zu dür­fen. Im Nachhinein betrach­tet ist es wenig ver­wun­der­lich, dass das 90–9‑1 Phänomen nach Nielsen hier seine Wirkung im nega­ti­ven Sinne ent­fal­tet hat und dadurch die eher ein­ge­schränkte Beteiligung an der Inhaltsproduktion zum Scheitern vie­ler Systeme an der not­wen­di­gen kri­ti­schen Masse geführt hat.

Bei der Betrachtung des orga­ni­sa­tio­nen Wissensmanagements wur­den die Bedürfnisse des Wissensarbeiters an sich oft­mals schlicht ver­ges­sen. Nichtzuletzt des­halb wird der­zeit ver­stärkt über das "per­sön­li­che" Wissensmanagement dis­ku­tiert, wie z.B. in unse­rem Vortrag auf dem Barcamp in Jena und in die­sem Weblog. Von der über­be­tont unter­neh­mens­wei­ten Perspektive wird also zu einer betont per­sön­li­chen Perspektive über­ge­gan­gen.

Ein mög­li­cher Lösungsansatz für das per­sön­li­che Wissensmanagement besteht in der Nutzung von Weblogs. In ihrer Grundform als ein­fa­ches, chro­no­lo­gi­sches Internet-Tagebuch einer Person stellt es eine beson­ders per­sön­li­che Form der Online-Kommunikation dar. Jochen Robes schreibt in sei­nem Blog aus­führ­lich dar­über, auf wel­che Weise Wissensarbeiter Weblogs ein­set­zen kön­nen. Ich möchte an die­ser stelle beleuch­ten, worin nun der Unterschied zwi­schem "klas­si­schen" Wissensdatenbanken und dem Einsatz von Weblogs im Unternehmen liegt?

1. Persönliches Interesse als pri­märe Motivation des Autors

Während bei klas­si­schen Wissensdatenbanken Inhalte eher nach einer zen­tra­len Vorgabe i.S.e. betrieb­li­chen Anforderung erstellt wur­den, wird ein blog­gen­der Mitarbeiter sich vor allem Themen wid­men, die aus sei­ner ganz spe­zi­fi­schen Tätigkeit stam­men, denen er sich für eine gerade aktu­elle Problemstellung wid­met oder für die ganz all­ge­mein sein Interesse gefun­den haben. Durch die per­sön­li­che Note gewin­nen Blogbeiträge eine hohe Authentizität – und die Persönlichkeit des Autors wird durch die Blogbeiträge im Unternehmen geprägt und bekannt.

2. Individuelle Formate

Zentrale Wissensdatenbanken ent­hal­ten oft­mals gut struk­tu­rierte Dokumentationen von Fakten, Quellen und Vorgehensweisen oder Best Practices. Demgegenüber sind Weblogs eher von Mikroartikeln über per­sön­li­che Erkenntnisse und Erfahrungen, aber auch von Meinungen und Thesen geprägt, die über das Weblog zur Diskussion gestellt wer­den. Manche Blogger nut­zen Weblogs auch, um ihre eige­nen Erkenntnisse geeig­net zu struk­tu­rie­ren und zu doku­men­tie­ren.

3.  Feedback als Qualitätssicherung

Anstelle von Reviews und Freigabeprozessen steht bei Weblogs das Feedback der Leser im Mittelpunkt. In sei­nem Weblog kann ein Autor alles ver­öf­fent­li­chen, egal ob früh­reif oder fun­diert. Einmal publi­ziert ist der Inhalt dann einem mit­un­ter scho­nungs­lo­sen Diskurs aus­ge­setzt, wobei eine Bewertung nicht durch zen­trale Prüfungen son­dern über das Leseverhalten, Ratings und Kommentare der Leser erfolgt.

4. Vernetzung

Die Blogosphäre lebt im Internet wie im Intranet von der Vernetzung von Blogbeiträgen über Hyperlinks und Kommentare, wobei an bei­dem in der Regel meh­rere Personen mit­wir­ken und nicht nur eine ein­ma­lige Verlinkung und Verschlagwortung vor­ge­nom­men wird. Rund um die Blogbeiträge und Kommentare bil­det sich eine Blogger-Community, die zur Vernetzung im Unternehmen bei­trägt, einem der wich­tigs­ten Aspekte im fir­men­wei­ten Wissensmanagement über­haupt.

5. Einfache tech­no­lo­gisch Basis

Während für sog. Wissensmanagementsysteme oft in umfang­rei­chen Projekten kom­plexe Plattformen ent­wi­ckelt und zen­tral bereit­s­ge­stellt wur­den, kön­nen Weblogs rela­tiv schnell und kos­ten­güns­tig bereit­ge­stellt wer­den, z.B. unter Einsatz von WordPress, wel­ches auch die­sem Blog als Basis dient. Für einen umfas­sen­den Einsatz im Unternehmen ist jedoch sehr zu emp­feh­len, aus Gründen der Sicherheit, Stabilität, Wartbarkeit und Skalierbarkeit Weblogs als zen­ta­len Service im Unternehmensintranet anzu­bie­ten. Neben den bekann­ten Open Source Werkzeugen bie­tet sich dabei vor allem auch der Einsatz von Plattformen wie Atlassian Confluence und Microsoft Sharepoint an, die über pra­xis­taug­li­che Blogging-Funktionen für den Unternehmenseinsatz ver­fü­gen. (Disclaimer: Wir bei Communardo beschäf­ti­gen uns u.a. genau mit die­sen Dingen und wer­den dazu an die­ser Stelle wei­ter berich­ten.)

5. Die Masse der Blogs schafft die Wissensbasis

Die dezen­trale Erzeugung und Publikation von Blogbeiträgen führt zu einer neuen Herausforderung: Wie kann eine Integration in eine orga­ni­sa­to­ri­sche Wissensbasis oder ein Gesamtüberblick über das gesam­melte Erfahrungswissen gelin­gen. Dazu gibt es ver­schie­dene erste Ansätze die geeig­net kom­bi­niert wer­den müs­sen:

  • Volltextsuche: Einbindung aller Weblogs in eine ein­heit­li­che, fir­men­weite Volltextsuche als Bestandteil einer zen­tra­len Plattform (wie z.B. Confluence oder Sharepoint) oder als zusätz­li­cher Dienst
  • Social Bookmarking: Firmeninterne Nutzung eines Dienstes für Online-Lesezeichen, die wie bei del.icio.us von den Mitarbeitern ange­legt und mit Schlagworten (engl. tags) cha­rak­te­ri­siert wer­den. Über die Tags kön­nen dann Verzeichnisse rele­van­ter Quellen ange­legt und Volltext-Recherchen aus­ge­führt wer­den.
  • Mash-ups: Unter Verwendung von RSS (ein XML-Protokoll mit dem Namen Real Simple Syndication) kön­nen die Inhalte der Blogs in Intranet-Seiten inte­griert und mit ande­ren Inhaltsangeboten geeig­net kom­bi­niert wer­den.

Fazit:

Während zen­trale Wissensmanagementsysteme oft auf­ge­zwun­gen wor­den sind, kann der fir­men­weite Einsatz von Weblogs durch­aus als befrei­end emp­fun­den wer­den. Aber auch der Umgang mit die­ser Freiheit muss erlernt wer­den. Angefangen von der Kultur des Umgangs mit und der Kommunikation über die­ses Medium bis hin zum pro­fes­sio­nel­len Betrieb von unter­neh­mens­wei­ten Blogging-Plattformen.

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