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Ich denk an Dich!

uhr21 – 22 – 23 – und schon weiß ich nicht mehr, was ich eigentlich machen wollte …

Gibt es eigentlich schlechte Usability oder nur dumme Benutzer?

Und was ist, wenn beides aufeinander trifft? Kaufe ich mir in dem Moment eine Fahrkarte am Schalter der Deutschen Bahn? Womöglich noch in einer fremden Stadt, deren Nahverkehrszonen ich nicht kenne und ich zu 99% gleich schwarz fahren werde. Vielleicht ist das auch so gewollt? Wer weiß. Oder benutze ich gerade die Mikrowelle in der Firmenküche, deren viele Knöpfe mich überfordern, deren kleine Zeichen ich nicht deuten kann. Ich möchte mir doch nur eine Milch 30 Sekunden lang erwärmen und keinen Kuchen backen oder Fisch auftauen. Da! Das muss der Knopf sein, auf den ich drücken muss. Der ist so speckig und abgegriffen, während die anderen 11 noch so neu aussehen, weil sie die letzten 3 Jahren unangetastet geblieben sind.

21 – 22 – 23 .. ach ja, es muss intuitiv sein … und innovativ bitte!
Intuitiv wäre ein Fahrkartenautomat oder eine Mikrowelle, wenn ich sie sofort bedienen könnte. Sprich, ich weiß schon, wie es geht. Ich hab’s schon irgendwo gelernt, gesehen, begriffen und kann mein Wissen jetzt anwenden, ohne darüber nachzudenken.
Aber innovativ? Innovativ bedeutet neu, fancy, was anderes, irgendwie hip … etwas, was ich noch nicht so kenne. Somit kann es nicht intuitiv sein!
ABER: Neues, was schnell gelernt werden kann, wäre doch toll! Somit wäre es erst innovativ und dann, wenn der Nutzer es schnell begreift, sich merken kann und beim nächsten Mal auf sein gelerntes Wissen ohne nach zu denken zurückgreifen kann, ist es intuitiv.

21 – 22 – 23 – weg.
Ich denke zuviel. Ich denke zuviel darüber nach, wie man die Dinge einfach machen kann. Kompliziert kann ja jeder. Gutes Design ist dann erreicht, wenn man nichts mehr weglassen kann, das Wichtigste immer im Fokus steht und der Nutzer so wenig wie möglich nachdenken muss. Nach 3 bis 5 Sekunden ist das Kurzzeitgedächtnis nämlich gelöscht. Blöd beim Anlegen eines neuen Kontos zum Beispiel. 21 – mhh, ist das wirklich die richtige Bank für mich? 22 – Vielleicht sollte ich doch noch mal schauen, ob … 23 – ach, das dauert mir zu lange, ich wollte eigentlich noch …
Also, liebe Entwickler, zeigt Eurem Benutzer etwas an. Ladet die Seite schrittweise. Lasst ihn nicht erst auf andere Gedanken kommen. Schont sein Gehirn und zermartert Eures, wie ihr das System beschleunigt. Er wird es Euch mit Interesse danken.

3 Sekunden können aber auch verdammt hilfreich sein.
„Andere Kunden kauften auch …“ wird zuerst eingeblendet, während meine Auswahl noch lädt. Da guck ich doch mal nach, hab ja noch Zeit bis mein Buch angezeigt wird. Es kommt immer darauf an, welche Ziele man erreichen möchte.

Ziele … wessen nochmal?
Die der Entwickler? Des Product-Owners? Des Projektleiters? Verdammt, wer nutzt eigentlich unser System, unsere Mikrowelle, unseren Fahrkartenautomaten oder die App? Sollten wir die vielleicht mal fragen? Bloß nicht! Dann könnten die ja noch Anforderungen stellen, die nicht mehr ins bereits geschätzte und abgestimmte Budget passen. Nein! Wir fragen nicht die Nutzer. Das könnte denen so gefallen! Am Ende kaufen die noch unser Produkt und finden es so toll, dass sie es weiterempfehlen! Nein – glückliche Nutzer, das fehlte noch!

Stimmt! Sie fehlen tatsächlich!
Es sollte mehr glückliche Nutzer geben. Denn auch App-Entwickler stehen irgendwann frustriert zu Hause vor der Mikrowelle und wollen sich einfach nur 30 Sekunden eine Milch aufwärmen. Blöd, dass das Teil keine Kommandozeile hat …

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